Die 21. Fachtagung für Aktive in der beruflichen Bildung der IG Metall fand im Mai 2026 in Köln-Deutz statt. Im Mittelpunkt stand eine Frage, die auch viele Kolleginnen und Kollegen bei uns in den Betrieben beschäftigt: Wer gestaltet den Einsatz von KI – und nach welchen Interessen?
Aus der Region Gaggenau waren mehrere Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Mit dabei waren Alexander Fechner und Mimose Hartmann aus dem Betriebsrat von Daimler Truck sowie Sara Jakupi und Mariebelle Sewonou aus der Jugend- und Auszubildendenvertretung. Für die IG Metall Gaggenau nahm Christian Herbon an der Tagung teil.
Leben und Arbeiten in der „Vielfachkrise“
Den inhaltlichen Einstieg gab Hans‑Jürgen Urban aus dem Vorstand der IG Metall. Er ordnete die aktuellen Entwicklungen als sogenannte „Vielfachkrise“ ein – also eine Situation, in der mehrere tiefgreifende Veränderungen gleichzeitig stattfinden und sich gegenseitig beeinflussen. Dazu gehören wirtschaftliche Unsicherheiten, ökologische Herausforderungen und die rasante technologische Entwicklung.
Besonders deutlich wurde dabei: Digitalisierung und KI verlaufen nicht losgelöst von gesellschaftlichen Fragen. Sie wirken direkt auf Arbeitsmärkte, Qualifikationsanforderungen und Lebensbedingungen zurück. Ob daraus mehr Gerechtigkeit entsteht oder neue Ungleichheiten, ist keineswegs vorgegeben. Es hängt davon ab, wie diese Prozesse gestaltet werden.
Zwei Transformationen gleichzeitig
Ein zentrales Thema der Tagung war die sogenannte „Twin Transition“. Gemeint ist das enge Zusammenspiel von Digitalisierung und ökologischer Transformation. Beide Entwicklungen treiben sich gegenseitig an, können sich aber auch widersprechen.
So eröffnet Digitalisierung neue Möglichkeiten, etwa bei der Steuerung von Verkehrsströmen oder bei der effizienteren Nutzung von Energie. Gleichzeitig steigt aber auch der Energiebedarf durch Rechenzentren und KI-Anwendungen deutlich an. Die Frage ist also nicht nur, was technisch möglich ist, sondern wie diese Technologien eingesetzt werden und welche Ziele dahinterstehen.
KI verändert Arbeit – und stellt neue Fragen
In den Diskussionen wurde schnell klar, dass sich der Blick auf KI verschoben hat. Es geht inzwischen weniger darum, was die Technologie kann, sondern darum, was sie mit Arbeit macht. In vielen Bereichen führt KI nicht zu einem einfachen Ersatz von Beschäftigten, sondern verändert Tätigkeiten, Abläufe und Anforderungen.
Das bedeutet aber nicht automatisch Entlastung. Häufig stehen Beschäftigte vor der Situation, mit Unterstützung von KI mehr leisten zu sollen. Arbeitsverdichtung und steigender Leistungsdruck sind reale Risiken. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich Qualifikationen verändern. Fachwissen, Urteilsfähigkeit und der kompetente Umgang mit KI gewinnen weiter an Bedeutung.
Ohne Mitbestimmung wird KI zum Risiko
Ein wiederkehrendes Thema auf der Tagung war die Frage der Gestaltung im Betrieb. Viele Beispiele zeigen: Ob KI zu guter Arbeit beiträgt oder zu mehr Kontrolle und Druck führt, hängt entscheidend von den Rahmenbedingungen ab.
In vielen Betrieben fehlen bislang noch klare Regelungen. Betriebsräte werden oft erst spät eingebunden, wenn Entscheidungen bereits getroffen sind. Gleichzeitig ist das Tempo der technologischen Entwicklung hoch. Klassische Instrumente stoßen an ihre Grenzen.
Umso klarer war die Botschaft: Mitbestimmung muss gestärkt und weiterentwickelt werden. Es braucht Transparenz bei KI-Systemen, nachvollziehbare Entscheidungen und die klare Rolle des Menschen in der Kontrolle. Nur so lässt sich sicherstellen, dass neue Technologien nicht gegen die Interessen der Beschäftigten eingesetzt werden.
Ausbildung im Wandel
Auch die Veränderungen in der beruflichen Bildung waren ein wichtiger Bestandteil der Tagung. In den Themenwerkstätten wurde deutlich, dass KI längst im Ausbildungsalltag angekommen ist. Oft still und informell, aber auch mit positiven kreativen Anwendungsfällen.
Die Möglichkeiten sind groß: Lerninhalte können individuell angepasst werden, Simulationen unterstützen die Vorbereitung auf Prüfungen, digitale Tools erleichtern den Alltag. Gleichzeitig zeigen sich praktische Hürden. Es fehlt häufig an Zeit, an technischer Infrastruktur und an ausreichend Wissen im Umgang mit den neuen Werkzeugen. Diese Lücke gilt es zu schließen.
Damit wird die Rolle der Ausbilderinnen und Ausbilder noch wichtiger. Sie müssen Orientierung geben, Kompetenzen vermitteln und gleichzeitig den kritischen Umgang mit KI stärken. Denn klar ist: Wer KI nutzt, muss sie auch einschätzen können.
Fazit: Es geht um Gestaltung
Die Tagung hat vor allem eines deutlich gemacht: Die Entwicklung von KI ist kein Prozess, der einfach passiert. Sie wird gestaltet – im Betrieb, in der Gesellschaft und in der Politik.
Für die IG Metall bedeutet das konkret, diese Entwicklung aktiv zu begleiten. Es geht darum, Mitbestimmung durchzusetzen, Qualifizierung zu sichern und klare Regeln für den Einsatz von KI zu schaffen. Die Frage ist nicht, ob KI kommt – sondern in welcher Form sie in Zukunft Arbeit prägen wird.
Oder anders gesagt: KI wird das, was wir daraus machen.