Starker Protest in Stuttgart sendet klares Signal Richtung Landespolitik

Rund 7.500 Menschen aus der gesamten Region Stuttgart haben am Samstagfünf vor 12“ auf dem Schlossplatz eindrucksvoll demonstriert.

Gemeinsam mit IG Metall Baden‑Württemberg, ver.di und dem DGB machten sie deutlich: Die Kommunen sind am Limit – und ohne ein entschiedenes politisches Gegensteuern steht viel auf dem Spiel: Arbeitsplätze, soziale Sicherheit und die industrielle Zukunft des Landes.

Unter dem Motto „Kommunen am Limit – Menschen brauchen Zukunft!“ richtete sich der Protest gegen die zunehmende finanzielle Auszehrung der Kommunen, Angriffe auf Arbeitsrechte, den Abbau sozialstaatlicher Strukturen sowie politische Untätigkeit in zentralen Zukunftsfragen.

Der Demonstrationszug führte vom Schlossplatz, durch die Stadt und lautstark bis zum Landtag  – ein bewusstes Signal an die Verantwortlichen im Land.

IG Metall: Ohne eine aktive Industriepolitik drohen Strukturverluste

Die IG Metall hatte bereits im Vorfeld der Demonstration klargemacht, warum gemeinsamer Druck nötig ist.
„Es reicht: Gewerkschaften rufen zu Demonstration in Stuttgart auf“ – ein Schulterschluss, der zeigen sollte, dass Beschäftigte, Kommunen und Industrie gemeinsam bessere Rahmenbedingungen brauchen.

Die IG Metall betont:

  • Aktive Industrie‑ und Standortpolitik ist zwingend notwendig, um Arbeitsplätze zu sichern und Zukunftstechnologien im Land zu halten.
  • Investitionen in Infrastruktur, Mobilität, Bildung und Verwaltung dürfen nicht länger verschoben werden.
  • Bezahlbare Energie ist Grundvoraussetzung für private Haushalte ebenso wie für Unternehmen.
  • Und: Ein starker Sozialstaat ist kein Kostenfaktor, sondern Voraussetzung für gesellschaftliche Stabilität.

Diese Punkte decken sich maßgeblich mit den Forderungen des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, der ebenfalls auf strukturelle Versäumnisse hinweist und eine klare Politik einfordert, die Investitionen statt Kürzungen ermöglicht.

Deutliche Worte auf der Bühne

Die zentralen Redebeiträge der Landesebene unterstrichen bereits den Ernst der Lage:
Barbara Resch (IG Metall Baden‑Württemberg), Maike Schollenberger (ver.di) und Kai Burmeister (DGB) kritisierten die Politik scharf und forderten eine Zukunft, die Sicherheit statt Angst bietet.

Barbara Resch, Bezirksleiterin der IG Metall Baden‑Württemberg

„Die heutige Botschaft könnte klarer nicht sein: Es reicht. Die Kolleginnen und Kollegen halten diesen Standort am Laufen und trotzdem wächst die Unsicherheit. Nicht, weil sie schlechter arbeiten würden, sondern weil Politik und Arbeitgeber zu wenig Verantwortung übernehmen.“
„Wer Investitionen verschiebt, Arbeitsplätze verlagert und gleichzeitig am Sozialstaat sägt, der bremst Innovation aus und zerstört Vertrauen. Die Menschen brauchen Sicherheit, keine Angst vor der nächsten Kündigungswelle.

Auch die IG Metall Gaggenau positioniert sich klar:

Bodo Seiler, Erster Bevollmächtigter IG Metall Gaggenau:

„Die Beschäftigten bei uns erleben hautnah, was passiert, wenn Kommunen und Betriebe gleichzeitig unter Druck geraten. Wir dürfen uns nicht einreden lassen, dass Kürzungen irgendeine Krise lösen. Ohne Investitionen in soziale Infrastruktur, Energie und Industrie geht der Standort Baden‑Württemberg sehenden Auges in den Stillstand.“

„Wir unterstützen die Forderungen der IG Metall Baden‑Württemberg ausdrücklich: Eine aktive Industriepolitik, stabile Kommunalfinanzen und ein verlässlicher Sozialstaat sind die Grundpfeiler für Zukunftssicherheit – für unsere Betriebe, unsere Kommunen und unsere Familien.“

Belastungen im Alltag verstärken den Druck

Viele Beschäftigte schilderten vor Ort ihre Situation: Schichtarbeit, eingeschränkte Betreuungsangebote, steigende Lebenshaltungskosten und Unsicherheit durch politische Blockaden.

Die Botschaft war eindeutig: Wenn Kommunen ausbluten und Betriebe unter massiven Transformationsdruck geraten, dann trifft das zuerst die Familien der Beschäftigten.

Gewerkschaften fordern entschlossenes Handeln

IG Metall, ver.di und DGB verlangen gemeinsam:

  • eine aktive Industrie‑ und Standortpolitik, die Arbeitsplätze sichert
  • eine verlässliche Finanzierung der Kommunen
  • Investitionen in Infrastruktur, Bildung, Mobilität und Digitalisierung
  • bezahlbare Energie für Haushalte und Betriebe
  • starke Schutzrechte, Gesundheits‑ und Arbeitszeitregelungen
  • Erhalt und Ausbau des Sozialstaats

Warnung vor wachsender Spaltung

Die Gewerkschaften betonen zudem, dass Kürzungen, Sozialabbau und politisches Nichtstun den Zusammenhalt unserer Gesellschaft gefährden. Die heutige Demonstration war deshalb nicht nur Protest – sie war ein Weckruf. Und IG Metall, ver.di und DGB kündigten an, ihre Aktivitäten weiter zu intensivieren.