Zusammenhalt ist unsere Stärke

Diskussion um Zukunft und die anstehende Tarifrunde der M+E Industrie

Die Delegierten der IG Metall Gaggenau haben am 16. September 2026 in Kuppenheim über die wirtschaftliche Lage, die bevorstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie sowie die Zukunft von Industriearbeitsplätzen und sozialen Sicherungssystemen beraten. Im Mittelpunkt der Delegiertenversammlung mit Tarifkonferenz standen die Herausforderungen in den Betrieben der Region und die Frage, wie Beschäftigung, Kaufkraft und soziale Sicherheit auch in schwierigen Zeiten gesichert werden können.

Errungenschaften verteidigen

Zu Beginn der Versammlung erinnerte Bodo Seiler, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Gaggenau, daran, dass viele heute selbstverständliche Rechte keineswegs selbstverständlich sind. Ob Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die 35-Stunden-Woche, Altersteilzeit oder tarifliche Alterssicherung – all diese Errungenschaften wurden von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern über Jahrzehnte hinweg erkämpft.

Mit Blick auf aktuelle politische und wirtschaftliche Debatten machte Seiler deutlich, dass zahlreiche soziale und tarifliche Standards wieder unter Druck geraten. Diskussionen über längere Arbeitszeiten, Einschränkungen bei der Lohnfortzahlung, höhere Altersgrenzen oder Veränderungen bei der Altersteilzeit seien Warnsignale, die ernst genommen werden müssten.

„Wer Errungenschaften verteidigen will, muss handeln, bevor sie abgeschafft sind“, betonte Seiler in seiner Rede.

Industrie unter Druck

Ein zentrales Thema der Versammlung war die wirtschaftliche Lage der deutschen Industrie. Die Delegierten diskutierten über die Herausforderungen in der Automobilindustrie, bei Zulieferern, im Maschinenbau und in weiteren energieintensiven Branchen. Geopolitische Konflikte, Handelsbarrieren, hohe Energiepreise und eine schwache Nachfrage belasten zahlreiche Unternehmen. Gleichzeitig beschäftigen viele Betriebe Fragen zu Investitionen, Standortsicherung und Beschäftigung.

Für die IG Metall Gaggenau ist klar: Die Transformation der Industrie darf nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen. Vielmehr braucht es Investitionen in neue Technologien, neue Produkte und Qualifizierung sowie verlässliche Perspektiven für die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben.

Tarifrunde 2026: Mehr als eine Entgeltfrage

Intensiv diskutierten die Delegierten über die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. Dabei wurde deutlich, dass die Beschäftigten Antworten auf steigende Lebenshaltungskosten, zunehmende Unsicherheit und den Wandel der Industrie erwarten.

Die Tarifrunde dürfe deshalb nicht allein auf die Frage einer Entgelterhöhung reduziert werden. Ebenso wichtig seien Beschäftigungssicherung, Investitionen, Zukunftsperspektiven für die Standorte und die Verteidigung tariflicher Standards. Die Erfahrungen und Rückmeldungen aus den Betrieben der Region sollen nun in die weitere Forderungsdiskussion der IG Metall einfließen.

„Diese Tarifrunde wird keine gewöhnliche Tarifrunde. Es geht um Kaufkraft, aber genauso um Beschäftigungssicherung, Investitionen und die Zukunft unserer Standorte“, sagte Bodo Seiler.

Gemeinsam für Industriearbeitsplätze und Sozialstaat

Darüber hinaus warben die Delegierten für eine breite Beteiligung an den bevorstehenden gewerkschaftlichen Aktionen. Im Mittelpunkt stehen dabei die bundesweiten Aktionstage für die Automobil- und Zulieferindustrie sowie für einen starken Sozialstaat. Beide Themen gehören für die IG Metall untrennbar zusammen: Gute Industriearbeitsplätze, starke Tarifverträge und ein leistungsfähiger Sozialstaat bilden die Grundlage für wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Beteiligung macht den Unterschied

Die Delegiertenversammlung machte deutlich, dass gute Tarifverträge und soziale Sicherheit nur durch Zusammenhalt und aktive Beteiligung erreicht werden können. Die kommenden Wochen werden daher genutzt, um die Forderungen zu diskutieren, Beschäftigte zu informieren und die Tarifbewegung weiter zu stärken.

Denn eines wurde in Kuppenheim immer wieder deutlich: Tarifpolitik ist kein Zuschauersport. Gute Lösungen entstehen nicht von allein, sondern durch Menschen, die sich organisieren, Verantwortung übernehmen und gemeinsam für ihre Interessen eintreten. Die IG Metall Gaggenau wird diesen Weg auch in den kommenden Monaten konsequent weitergehen.